Wildes im Winter


Die Natur hat ihren eigenen Rhythmus. Von Dezember bis März ruht sie weitgehend. Aber auch in der kalten Jahreszeit kann man noch einige heimische Wildkräuter sammeln, solange Väterchen Frost nicht zuschlägt.


Wildkräuter wurden nie kultiviert und sind daher besonders robust und nährstoffreich. Sie enthalten noch viele wichtige Inhaltsstoffe, wie Bitterstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die aus unserem heutigen Kulturgemüse häufig zugunsten eines homogenen Geschmacks herausgezüchtet worden sind. Sehr nützlich in der erkältungsreichen Winterzeit. Was sollte man wissen, bevor man auf die Suche nach heimischen Superfoods geht?


Im Winter sind die Pflanzen oft schwerer zu bestimmen, da Blüten oder andere Merkmale fehlen. Daher im Zweifel immer auf Nummer sicher gehen und ein Bestimmungsbuch zu raten ziehen. Unbekannte Pflanzen sollten immer stehen gelassen werden, denn viele Wildpflanzen sind giftig. In Naturschutzgebieten darf offiziell nicht gesammelt werden. Ebenso sollte man die Hundemeile meiden, Feldränder von konventionell bewirtschafteten Feldern und Straßenrändern wegen der erhöhten Schwermetallbelastung. Gut eignen sich: Waldränder, wenig genutzte Weiden, Böschungen und unbewirtschaftete Wiesen oder Feldränder von Bioflächen.


Idealer Sammelzeitpunkt ist ein trockener Tag zur Mittagszeit. Die meisten Vitamine und Mineralstoffe bleiben erhalten, wenn die Wildkräuter frisch geerntet und schnell roh verzehrt werden. In ein feuchtes Küchentuch gewickelt bleiben sie aber auch einige Tage im Kühlschrank frisch. Und bitte immer daran denken: Auch wenn ein Wildkraut noch so gut schmeckt oder gut tut, ernte maximal ein Viertel der Pflanze und niemals eine allein stehende Pflanze ab. Nur so können die Bestände geschützt werden.



Was lässt sich alles noch sammeln?

Wir haben eine kleine Auswahl leicht zu erkennender heimischer Superfoods zusammengestellt, die euren Speiseplan im Winter bereichern können:


Gundermann

Das weitverbreitete Kraut findet ihr an Wald- und Feldrändern. Gundermann ist ein idealer Entzündungshemmer und Schleimlöser. Hauptträger der entzündungshemmenden Eigenschaften ist das Öl, das beim Zerreiben der Blätter austritt. Es hat einen würzigen, leicht minzigen Geschmack. Damit kann der Gundermann nicht nur heilen, sondern auch gut im Salat schmecken - er wird auch wilde Petersilie genannt.


Brennnessel

In milden Wintern findet man des Öfteren noch junge Triebe. Die Brennnessel ist vollgepackt mit Nährstoffen: Das Kraut enthält 6 mal mehr Calcium als Milch, mehr Eisen als ein Rindersteak und ist eine gute Eiweißquelle. Roh ist die Brennnessel eine ideale Zutat im Smoothie, gedünstet schmeckt sie ähnlich wie Spinat. Die Brennhaare können ganz einfach unschädlich gemacht werden, indem ihr die Blätter mit einem Nudelholz überrollt. Spitzwegerich

Der Spitzwegerich ist eine alte Heilpflanze. Bereits im Alten Griechenland und Alten Rom zählte der Wegerich zu den Erkältungspflanzen. Die enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie eine Schutzschicht auf die gereizten Schleimhäute. Das Kraut wirkt entzündungshemmend und bakterientötend.


Vogelmiere

Das Kraut ist eine Pionierpflanze, die sich sehr schnell ausbreitet und auch im Winter in größeren Mengen zu finden ist. Die nahezu unverwüstliche Vogelmiere hat einen sehr hohen Vitamin C-Gehalt, bereits 50 g decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen ab. Dank ihres milden Geschmacks lässt sie sich super einfach in alle mögliche Gerichte integrieren.


Knoblauchsrauke

Ein sehr würziges Wildkraut, was trotz seines Namens nicht mit dem Knoblauch verwandt ist, aber sehr stark danach riecht. Früher nutze man es als preisgünstiges Gewürz, da Salz und Pfeffer teuer waren. Beim Kochen verflüchtigt sich jedoch der pfeffrig-knoblauchartige Geschmack. Daher ist sie ideal als abschließendes Gewürz und in rohen Gerichten geeignet. Eine große Knoblauchsrauke entspricht geschmacklich ungefähr einer halben Knoblauchszehe.


Viel Spaß beim Sammeln in der Natur auf dem nächsten winterlichen Spaziergang!


Fotos: Sina Opalka 

DE-ÖKO-044
EU-Landwirtschaft

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