Wilde Erste Hilfe unterwegs.

Gerade jetzt im Sommer sind wir viel draußen. In den Bergen wandern, eine Radtour drehen, an den See fahren mit Freunden. Da passiert es schnell mal, dass man sich einen Sonnenbrand holt, gestochen wird oder sich eine Blase läuft. Doch wie so oft haben wir natürlich das passende Mittelchen nicht im Rucksack. Die Natur stellt uns aber Helfer an den Wegesrand. Wir zeigen euch, welche wilden Kräuter euch versorgen (Lesezeit 3 Minuten).



Kodex.

Blätter, die wir frisch medizinisch verwenden, müssen immer sauber sein. Meist zerreibt man sie oder walzt sie mit einer Flasche. So kann man den Pflanzensaft in ein sauberes Taschentuch pressen. Aber bitte nie auf offene blutende Wunden legen!


Wunden.

Wenn wir uns ein wenig aufgeschürft oder nicht zu tief geschnitten haben, hilft Spitzwegerich. Wir zerreiben ihn und warten bis sein grüner Saft austritt. Den geben wir auf die Wunde. Das Wundhormon Aucubin stoppt die Blutung, desinfiziert die Wunde und hilft beim abheilen ohne Narbe. Als Pflaster dient ein zweites Blatt. Zu Hause können wir einen Tee aus weiteren Blättern kochen und in einer Mullbinde tränken, die wir auf die Wunde legen.


Der zweite Helfer ist die Schafgarbe, auch Soldatenkraut genannt. Genau daher, weil sie ein guter Freund bei Wunden ist und die narbenlose Wundheilung unterstützt. Sie war auch bis in den Zweiten Weltkrieg bekannt als "Jodtinktur der Wiesen und Felder". Denn: sie ist blutstillend, desinfizierend, antiseptisch, entzündungshemmend. Wir wenden sie so an wie den Spitzwegerich.


Durch seinen hohen Allantoingehalt wirkt außerdem Beinwell als Erste-Hilfe Pflaster bei Schnittwunden. Alternativ macht zerquetschter Breitwegerich einen guten Job: er desinfiziert, tötet Keime ab, hemmt Entzündungen und beschleunigt die Wundheilung.


Blasen.

Neue Wanderschuhe, ein verrutschter Socken, schnell ist es passiert. Doch Blasen an den Füßen können wir behandeln. Wie legen ein Blatt Breitwegerich auf schmerzende Stellen oder schon existierende Blasen und ziehen Socken und Schuhe wieder an. Er kühlt den Schmerz und heilt die Blasen schnell ab.


Schwere Beine.

Sein Name verrät ihn. Der Beifuß kommt bei müden Beinen zum Einsatz. Er wirkt unter anderem durchblutungsfördernd, krampflösend und stärkend. Wir legen im Notfall einige Blätter in unsere Strümpfe - mit der Unterseite gen Himmel. Für ein wenig mehr kräftigende Motivation riechen wir an einem frischen, zerriebenen Blatt. Auch Breitwegerich hilft hier. Weiter geht's!


Krämpfe.

Der Gipfel ist nicht mehr weit, aber unsere Waden wollen nicht mehr. Oder unser Fuß muckt und zieht sich zusammen. Dann zerreiben wir die Blätter des Gänsefingerkrauts auf der Wade oder dem Fuß. Das Krampfkraut enthält besonders viele krampflösende Stoffe. Ebenso die Schafgarbe.


Leichte Verstauchung.

Ein unachtsamer Tritt und der Knöchel schmerzt. Wir nehmen als erste Maßnahme Beinwell, wickeln ihn um den Knöchel und ziehen den Strumpf darüber. Er wurde früher sogar bei Knochenbrüchen eingesetzt. Er soll die Bildung von Kallus im Knochen fördern und Schmerz lindern. Die Verstauchung zu Hause unbedingt kühlen (mit Arnika) und schonen.



Stiche.

Hier helfen gleich mehrere Pflanzen weiter: Spitzwegerich, Breitwegerich, Schafgarbe, Rosenblüten, Gänseblümchen, Salbei oder Hauswurz. Die Kräuter jeweils so lange reiben bis der Saft austritt und auf den Stich träufeln. Die schwellen dann nicht so schnell an, hören auf zu jucken und verheilen schneller. Die Schleimstoffe der Pflanzen mildern den Juckreiz. Außerdem wirken sie entzündungshemmend und antibakteriell. 


Kopfweh.

Hier geht es vor allem um den Duft. Vielen Menschen hilft es, ein Blatt zu zerreiben und daran zu riechen. Wir schlagen Pfefferminze, Holunder, Kamille, Lavendel, Melisse oder Rosmarin vor.





Herpes.

Wir greifen zu Kräutern, die antiviral wirken sollen und gut schmecken. Denn sie alle enthalten tolle ätherische Öle. Wir zerkauen sie und legen sie auf das Bläschen. Das sind Braunelle, Zitronenmelisse oder Pfefferminze. Generell sollten wir aber auch verstärkt auf unser Immunsystem achten.


Sonnenbrand.

Unterwegs ist hier der erste Retter der Huflattich, auch Hitzeblatt. Er kühlt die Stelle und vertreibt die Rötung. Er wird auch bei leichten Verbrennungen eingesetzt. Zu Hause kann kalter, fettiger Quark in einem Wickel weiterkühlen.


Natürlich kann ein Wildkraut keinen Arztbesuch ersetzen. Doch als erste Hilfe und Retter in der Not, finden wir etwas für jede Lebenslage. Wir hoffen zwar in erster Linie, dass ihr nicht in die Situation kommt, sie anwenden zu müssen. Wenn doch, wisst ihr jetzt, was zu tun ist!



DE-ÖKO-044
EU-Landwirtschaft