Sammelleidenschaft und Wilde Wanderung

Aktualisiert: Aug 10

Wir werden immer wieder gefragt, wie man am besten sammelt. Was gibt es zu beachten? Was braucht man? Was sollte man nicht tun? Hier unsere praktische Zusammenfassung (Lesezeit 2 Minuten).



Sicherheit.

Die erste und wichtigste Regel: Nur das sammeln, was du zu 100 Prozent bestimmen kann. Denn auch in der heimischen Flora und Fauna wachsen hochgiftige Pflanzen wie der gefleckte Schierling. Dieser wurde früher sogar als Trank zur Hinrichtung genutzt. 


Ausrüstung.

Nicht viel. Ein Sammelbeutel oder Korb für den Transport. Mehrere Beutel, wenn ihr die Kräuter schon beim Sammeln trennen möchtet. Ein Messer und ggf. Handschuhe für die Brennnesseln. Genug zu Trinken sowie Mücken- und Sonnenschutz nicht vergessen.


Studium.

Gut sind Wildkräuterwanderungen und Bücher. Bei einer Wanderung lernst du allerdings gleich am Objekt und kannst es dir womöglich besser merken. Über die Zeit wird man automatisch immer sicherer. Lieber erstmal mit fünf einfachen Kräutern beginnen, statt gleich alles sammeln zu wollen. Giersch, Löwenzahn, Brennnessel und Labkraut sind leicht zu erkennen. Abwechslung bringen anfangs verschiedene Rezepte mit diesen Kräutern. 


Buch.

Kräuterlexika, die wir empfehlen können, sind Essbare Wildpflanzen (Fleischhauer, Guthmann et al.), Was blüht denn da? (Spohn, Golte-Bechtle), Wildkräuter am Blatt erkennen (Bosch). Du kannst es auch zum Bestimmen mitnehmen oder eine App nutzen, z.B. Naturblick. Auch ein eigenes Notizbuch ist hilfreich.


Ort.

Such dir eine wilde Wiese, fernab von Straßen, konventioneller Landwirtschaft (ungedüngt und ungespritzt) und offensichtlicher Verschmutzung. Geh ein paar Schritte weg vom Wegesrand, wo Hunde nicht hinpinkeln. Super sind auch Waldlichtungen. Angst vor dem Fuchsbandwurm musst du übrigens nicht übermäßig haben. Die Wahrscheinlichkeit, an ihm zu erkranken, ist sehr gering. Trotzdem das Sammelgut gründlich waschen (s.u.).

Und in der Stadt? Friedhöfe oder verwilderte Parks. Oder du sammelst Blätter und Triebe von Bäumen. 


Zeitpunkt.

Idealerweise ziehst du mittags bei schönem Wetter los. Es sollte zwei Tage trocken gewesen sein. Nach starken Regenfällen, aber auch bei andauernder Trockenheit weisen Wildpflanzen vorübergehend einen geringeren Wirkstoffgehalt auf. Morgen- und Abendtau vermeiden. Je nach Pflanze und Wirkstoff gibt es unterschiedliche Zeitpunkte, die ideal zum Sammeln sind. Dies ist aber vor allem wichtig, wenn du für deine Hausapotheke sammelst. Königskerzenblüten sammelst du zum Beispiel am besten zwischen 9 und 10 Uhr. Dann sind sie voll geöffnet. Schon ein paar Stunden später sinkt die Vitalität der Blüten. Also vorher einfach kurz informieren, zu welcher Zeit du die meisten Nährstoffe erwischst.


Maß.

Nachhaltig sammeln. Ernte maximal ein Viertel der Pflanzen an einem Ort. Der Bestand soll nicht leiden. Suche also Pflanzen, die nicht alleine stehen. Bei Baumblättern und Knospen erntest du besser von verschiedenen Zweigen. Lass auch etwas für Hummeln, Bienen und andere Insekten übrig. Frag dich auch: Wie viel brauchst du wirklich? Wie viel kannst du essen? Hast du genug Zeit, die Kräuter zu verarbeiten? Schmeckt dir das Kraut?


Verarbeitung.

Frische Wildkräuter halten sich drei bis fünf Tage im Kühlschrank, wenn sie direkt nach dem Sammeln in ein feuchtes Tuch gewickelt werden. Vor dem Verarbeiten am besten einmal Waschen. Dann bist du auch sicher, dass keine Insekten oder Bakterien am Grün hängen. 

Fang mit einer kleinen Dosis Kräuter an. So gewöhnt sich deine Verdauung an die Bitterstoffe der neuen alten Superfoods. Hier steckt mehr drin als in unserem kultivierten Gemüse. Möchtest du sie für den Tee verwenden, dann kannst du die Wildkräuter als Sträuße aufhängen oder auf einem Leinentuch oder einem Trockengestell trocknen bis sie rascheln.


Mit diesen Tipps sollte bei deinem Sammelzug nichts mehr schief gehen. Für einen noch tieferen Einblick in die Welt der Wildkräuter kannst du auch bei unseren Wanderungen vorbeischauen. Die Bilder in diesem Artikel stammen übrigens von der talentierten Laura Droße. Vielen Dank für diese schönen Momentaufnahmen unserer Wanderungen durch die urbane Berliner Wildnis.




DE-ÖKO-044
EU-Landwirtschaft