Räucherwerk.

Langsam tanzen rauchige Schwaden gen Himmel. Ein intensiver Duft nach Kräutern erfüllt den Raum. Ein besonderer Moment, etwas Festliches, das spürt man ganz automatisch. Viele Menschen haben jedoch den Bezug zum Ritual des Räucherns verloren. (Lesezeit 3 Minuten).



Tradition.

In der Steinzeit entdeckten wir Menschen das Feuer. Fasziniert von diesem Element begannen unsere Ahnen damit auch Kräuter zu verbrennen. Später leitete sich vom lateinischen “per fumum”, also "durch den Rauch", das Wort Parfüm ab. Diese Zeremonie fanden wir früher überall auf der Welt. Räuchern war Teil des Alltagsritual oder auch mit besonderen Festen, Lebensereignissen oder Jahreskreisfesten verbunden.


Intention.

Je nach Kraut wirkt das Räuchern klärend, harmonisierend, beruhigend, inspirierend oder kräftigend auf Körper und Geist. Die freigesetzten Aromen strömen als Duftmoleküle mit dem Rauch in unsere Nase. Ungefiltert werden sie im limbischen System verarbeitet. Dieses ist bereits vor der Geburt aktiv und speichert Düfte. Daher verknüpfen wir häufig Emotionen und Erlebnisse mit Gerüchen, können sie aber nur schwer beschreiben.


Räuchern können wir zu verschiedenen Zwecken. In Räumen, in denen Kranke kurieren wurde früher geräuchert. Auch das Räuchern nach der überstandenen Krankheit war ein Ritual für den Neuanfang. Heute wird die Räucher-Zeremonie auch als Inspiration genutzt, wenn die Ideen fehlen oder bei einem Umzug, um die Atmosphäre des Vormieters zu reinigen und um sich vom alten Zuhause zu verabschieden. Räuchern bringt uns zurück in den Moment, da es die volle Aufmerksamkeit verlangt. Gleichzeitig beruhigt der Anblick und der aromatische Geruch weckt Erinnerungen. Ein naturverbundenes Ritual das uns im Alltag

helfen kann.


Methoden.

  1. In einem feuerfesten Gefäß mit Sand entzündet man ein Stück Kohle bis es glüht. Um sie anzuheizen fächern wir mit einer Feder Luft zu. Dann geben wir maximal einen halben Teelöffel an Kräutern und Harzen hinzu. Das Räuchergut sollte niemals brennen, da dann ihre wirksamen Öle zerstört werden. Danach den Raum lüften.

  2. Auch Räucherbündel werden gerade immer bekannter. Diese werden an der Spitze entzündet und danach wird die Flamme ausgepustet. Um das Räuchern zu beenden, kann das Bündel in Sand gesteckt werden. Schon ist es bereit für das nächste Mal.

  3. Oder man verwendet ein Stövchen. Hierzu stellen wir ein angezündetes Teelicht in das Stövchen. Auf das Sieb über der Flamme geben wir ½ bis 1 TL Räucherwerk. Nach einigen Minuten pusten wir die Kerze aus und lassen das Räucherwerk ausglimmen.


Heimisches Räuchergut.

Wir können getrocknete Blätter, Rinden oder Blüten verbrennen. Besonders würzig sind Harze. Auf den Wiesen und in den Wäldern vor unserer Haustür finden wir dazu vielerlei Alternativen. Ganz ohne Palo Santo Hölzchen, Myrrhe, und Moxa aus Übersee können wir unser Ritual mit einem guten Gewissen durchführen. Hier eine Liste mit heimischen Räucherkräutern:


Beifuß.

Die “Mutter aller Pflanzen” gilt in manchen Kulturen als die wichtigste aller Räucherpflanzen. Sie schützt und reinigt uns. Und sie unterstützt uns, wenn sich in unserem Leben viele Dinge verändern, wir trauern oder ein Thema loslassen möchten.


Salbei.

Ihn kennt man als gebundenes Trockensträußchen. Sein Rauch befreit unsere Lungen. Wir können tief durchatmen, erden uns, werden ruhig. Der Geist wird klar. Übrigens auch gut bei hartnäckigen Küchengerüchen.


Schafgarbe.

Das Orakelkraut bringt uns innere Einsicht und Weisheit. Wir räuchern damit abends, denn es begleitet uns in unsere Träume. Der Rauch soll uns unserer Intuition näher bringen und uns Wahrträume bescheren. Auf jeden Fall entspannt es uns, zentriert und desinfiziert.


Goldrute.

Bringt uns Stärke, Mut und Kraft. Ihr honigartiger Duft soll düstere Gedanken vertreiben und innere Wärme hinterlassen. Die goldgelbe Sommerpflanze bringt uns auf fröhliche Gedanken.


Meisterwurz.

Früher war der Meisterwurz eine alternative für die Menschen, die sich teuren Weihrauch nicht leisten konnten. Die Wurzel wirkt antibakteriell und soll Viren hemmen. Deshalb ist sie als belebend und inspirierend bekannt. Oft werden Krankenzimmer mit Meisterwurz geräuchert, um die fehlende Lebensenergie wieder anzufachen.


Und es gibt noch so viele mehr: Alant, Eisenkraut, Echter Engelwurz, Fichte, Frauenmantel, Schwarzer Holunder, Hopfen, Kiefer, Lärche, Myrrhe, Tanne, Thymian, Wacholder....


Diese lassen sich zu vielfältigen Mischungen kombinieren. Je nach Anlass. Traditionell finden wir zur Hausreinigung die Kombination aus Fichtenharz, Salbeiblätter, Beifuß, Dillsamen und Wacholderbeeren. Zu den Rau(ch)nächten im Dezember nimmt man Beifuß, Engelwurz, Schafgarbe, Lavendel, Rosmarin, Salbei, Wacholderbeeren, Fichte und Tanne.


Ob wir nun rational an die Kraft des Räucherns glauben oder nicht. Unser Instinkt sagt uns, dass es sich um einen Akt handelt, etwas Besonderes zu zelebrieren. Auch das allein ist ein schöner Grund es selbst zu versuchen.



DE-ÖKO-044
EU-Landwirtschaft