Im wilden Gespräch mit Anna Seitner mit ihrer Bewegungsgarage.

Auf dieses Interview haben wir uns besonders gefreut. Denn wir hier im kruut-Team interessieren uns nicht nur für heimische Kräuter, sondern für eine ganzheitliche Form der Gesundheit. Dazu gehört auch Bewegung. Und zu der dürfen wir uns in diesen Zeiten besonders motivieren. Weg von Schreibtischstuhl, der Körper kommt wieder in Schwung. Eine unserer liebsten Yogis ist Anna Seitner. Die Österreicherin ist Sportwissenschaftlerin, Yogalehrerin und Entrepreneurin. Sie führt ihr eigenes Yogastudio zwischen Wien und Linz, die Bewegungsgarage. Wir durften von ihr lernen, warum Bewegung so wichtig ist und wie wir uns motivieren, Sport zu treiben (Lesezeit 4 Min.).



Endlich Frühling! Es heißt ja, dass Bewegung die beste Medizin ist. Wie sind deine Gedanken dazu? Ist Sport eine gute Vorsorge?

Bewegung ist die beste Vorsorge! Nicht nur, um den Bewegungsapparat in Schuss zu halten, sondern um sich auch geistig langfristig etwas Gutes zu tun. Bewegung wirkt auf fast jede Zelle unseres Körpers und wirkt sich somit auf unterschiedliche Ebenen und viele körpereigenen Systemen positiv aus. Evolutionsbiologisch betrachtet liegt uns Bewegung in den Genen und ist lebensnotwendig.


Was passiert beim Sport mit unserem Körper und unserem Geist? Warum brauchen wir Sport gerade in diesen Zeiten?

Körperlich gesehen wirkt sich Bewegung auf die unterschiedlichsten Strukturen wie Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen und Gelenke aus. Ihr Zusammenspiel hält uns aufrecht und ermöglicht uns, in Bewegung zu sein. Eine kräftige Muskulatur erfüllt eine Stützfunktion für den Körper und lässt uns aufrecht durch das Leben gehen.


Bewegung wirkt sich aber aufgrund des Zusammenspiels von Bewegungsapparat und Nervensystem auch stark auf unsere Psyche aus. Körperliche Aktivität regt die Produktion von sogenannten “Neurotransmittern” an (hauseigene “feel good”-Substanzen), welche uns gute Laune schaffen, unsere mentale Stärke und Resilienz kräftigen.


In Bezug auf unser Immunsystem, regt Bewegung unseren Stoffwechsel und das Lymphsystem an. Was dem Körper schadet, wird dadurch schneller und leichter abtransportiert. Der Heilungsprozess wird unterstützt und das Immunsystem gestärkt.


Wie bewegst du dich draußen denn so am liebsten? Und was machst du an Regentagen?

Bergauf! Ich laufe/gehe am liebsten bergauf und das auch an Regentagen. Oft sogar lieber als bei Sonnenschein.


Du selbst hast auch lange Zeit in der Großstadt Melbourne gewohnt. Wie hast du dich da bewegt?

Auch in Australien bin ich viel gelaufen. Jedoch wenig bergauf, was mir dann im Endeffekt die Energie für ein Leben in der Stadt geraubt hat. In Melbourne habe ich viele Yogastudios ausprobiert und mir dabei Inspiration für die Bewegungsgarage geholt.


Wie viel sollte man sich denn so bewegen in der Woche? An wenigen Tagen, dafür länger oder jeden Tag ein bisschen?

Definitiv jeden Tag ein bisschen. Unser Bewegungsapparat, Lymphsystem und Kreislauf braucht täglich Bewegung. Mal länger, mal kürzer - hauptsache täglich!


Welche Übungen kannst du uns Schreibtischmenschen für jeden Tag empfehlen?

Sitzen ist eine sehr einseitige, passive Körperhaltung und auf Dauer tut das dem gesamten Bewegungsapparat nicht gut. Daher empfehle ich „Vielsitzern“ vor allem Rumpf stärkende und Hüftbeuger mobilisierende Übungen. Je vielseitiger, desto besser!



Wie schaffst du es motiviert zu bleiben? Oder hast du auch manchmal keine Lust? Hast du Tipps?

Natürlich habe auch ich ab und an keine große Lust, mich zu bewegen. Das kommt allerdings recht selten vor. Ich bewege mich einfach richtig gerne und das von Kindheit an. Mein Körper sehnt sich täglich nach Bewegung. Manchmal mehr, manchmal weniger.


Wenn ich mal nicht so motiviert bin, dann rufe ich mir einfach in Erinnerung, wie sehr ich die Bewegung brauche - vor allem mental. Meine Psyche braucht täglich Bewegung, also versuche ich auch an unmotivierten Tagen, mir einfach selbst in den Hintern zu treten. Denn ich weiß, dass ich mich dadurch besser fühle. Es hat etwas gedauert, bis mir das bewusst wurde, aber heute weiß ich: Ich kann meiner mentalen Gesundheit selbst helfen, indem ich mich bewusst jeden Tag für die körpereigenen “feel good”-Hormone entscheide.


Dein Yogastil unterscheidet sich von anderen. Kein Überdehnen, keine Instagram-Backbends. Wie kam es dazu? Was machst du anders?

Mein Interesse für den menschlichen Körper und seine unterschiedlichen Systeme hat mich dazu gebracht, meine Liebe für Yoga und Bewegungswissenschaften zu verknüpfen. Während meines Sportstudiums habe ich viel über Anatomie und Biomechanik gelernt und daher wahrscheinlich einen anderen Blickwinkel auf das “klassische” Yoga. Manches aus dem Yoga, wie es die meisten kennen, lässt sich mit meiner sportwissenschaftlichen Philosophie besser vereinen als anderes. Trotzdem hat alles seine Berechtigung und ich würde nie behaupten, dass meine Art von Yoga die beste ist. Sowohl mein eigenes Gefühl als auch Erfahrungen mit Klientinnen und Klienten fließen in die Gestaltung meiner Flows mit ein. Ich versuche, den Fokus auf die Prävention von Verletzungen, Haltungsschäden und den Spaß an der Bewegung zu legen. Denn das sollte ja das Wichtigste sein! :-)



Worauf sollten wir beim Sport zu Hause achten? Warum ist es so wichtig, Bewegungen richtig auszuführen? Was bedeutet überhaupt “richtig”?

Die richtige Ausführung einer Übung ist am einfachsten mit der, dem jeweiligen beteiligten Gelenk bzw. Gelenken, folgenden natürlichen Bahn zu beschreiben.


Gleichzeitig ist im Allgemeinen eine stabile und neutrale Stellung des gesamten “unbeteiligten” Bewegungsapparates extrem wichtig. Und darin liegt erfahrungsgemäß häufig die größte Herausforderung. Oftmals entspricht das Gefühl der eigenen Körperposition bei einer vielleicht ungewohnten Übung nicht der Realität; ein klassisches Beispiel ist die Hohlkreuz vs. Rundrücken Problematik, die wahrscheinlich die meisten kennen. Aus diesem Grund versuche ich (vor allem auch in meinen Online-Programmen) bei allen Übungen immer auf die korrekte Ausführung bzw. die häufigsten Fehler einzugehen.


Annas wilder Steckbrief


Dein liebstes Ritual: Meine morgendliche Wald-Lauf-Runde

Dein Lieblingskraut: meistens die Brennnessel, aber auch mal der Löwenzahn

Dein Kraftort: die Berge

Der schönste Moment deiner Arbeit: die lachenden und verschwitzten Gesichter meiner Klientinnen und Klienten nach der Einheit zu sehen

Das tollste Geschenk, das du jemals bekommen hast: ein Flugticket nach Australien

Deine Mission: Menschen dazu zu bringen, sich selbst mehr zu bewegen und ihnen dadurch zu zeigen, wie kraftvoll körperliche Aktivität ist - für Körper und Geist.

Eine Sache, für die du dankbar bist: für die unermüdliche Unterstützung meiner Familie und Freunde

Eine Weisheit, die nicht in Vergessenheit geraten darf: Bewegung ist die beste Medizin! :-)



Ihr findet Anna in ihrer Bewegungsgarage vor Ort in Wieselburg (Österreich) oder eben online. Auf bewegungsgarage.at könnt ihr mit Anna online fließen. Sie bietet verschiedene Pakete an, die euch als Video 1 Jahr zur Verfügung stehen, oder ihr bucht Live-Klassen bei ihr. So viel sei gesagt: in Annas Klassen wird es definitiv nicht langweilig! Schaut auch gern bei ihr auf Instagram vorbei.