Fasten mit Wildkräutern

Ein frischer Übergang in den Frühling.Wir sehen die Fastenzeit als Erholung für Körper und Geist. Wir erklären wie wir persönlich unseren Körper mit heimischen Wildkräutern beim Entgiften unterstützen können und welche Themen diese Zeit noch für uns umfasst. Außerdem geben wir noch unsere persönlichen Inspirationen zum Loslassen (Lesezeit 5 Min.).



Tradition.

Schon seit Jahrtausenden ist das Fasten ein Teil der Medizin. Hippokrates riet schon in der Antike

“Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.”

Und auch in den Weltreligionen und Philosophien vom Christentum bis zum Ayurveda ist Fasten ein regelmäßiger Teil des Lebens. Ob die 40 Tage bis Ostern oder das Entschlacken beim Übergang in den Frühling. Es wird immer wieder von großartigen Auswirkungen auf (chronische) Krankheiten berichtet, wenn Körper und Geist nach einer Fastenperiode entgiftet sind.


Das richtige Mindset.

So ganz können wir uns weder mit den Worten Detox, Entgiftung, Cleanse, Entschlacken noch Fasten anfreunden. Zu negativ belegt sind sie mit krassem Verzicht, Hungern und Verboten. Leicht sind wir Menschen versucht, es zu strikt anzugehen. Alles oder nichts. Uns ist wichtig zu betonen, dass eine richtige Fastentherapie unbedingt in Zusammenarbeit mit einem ausgebildeten Fastenleiter ausgeführt werden sollte. Denn jeder Körper benötigt etwas anderes.


Wir sprechen hier auch nicht von Crash-Diäten oder dem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, um Gewicht zu verlieren. Dass das nur kurzfristig funktioniert, haben wir alle vielleicht schon beobachtet. Sinnvoller scheint uns, flexibel zu bleiben, das auszuprobieren, was zu uns passt und den Prozess zu genießen.Wie das richtig geht, was Fasten mit unserem Körper macht und viele weitere spannende Fragen haben uns die Expertinnen Sabrina Stierli und Jeannette Ruh verraten. Hier geht’s zum Interview.


Neue Jahreszeit.

Wir verändern uns mit dem Rhythmus der Jahreszeiten. Unsere Körper funktionieren nach einer inneren Uhr, die an die Natur angepasst ist. Beim Wechsel in eine andere Jahreszeit haben wir andere Bedürfnisse nach Schlaf und saisonalen Lebensmitteln. Dem gehen wir nach und passen uns dementsprechend an. Ohne zu hinterfragen oder kritisieren. Für uns bedeutet der Frühling Neuanfang, Zeit des Wachsens, Lebensfreude, Leichtigkeit. Beim Übergang in diese Zeit sorgen wir für Erholung für unseren Körper und unseren Geist. Wir wecken unseren Körper ganz sanft auf. Unterstützen und pflegen ihn.

Schließlich lassen wir Altes los für einen frischen Neustart.




Körper.

Unser Körper hat ein ausgetüfteltes Entgiftungssystem. Er reinigt sich selbst. Zu viele negative Einflüsse können dieses System jedoch überanstrengen. Stressreize, ungünstige Ernährungsweise, zu wenig Bewegung. Der Körper lagert dann Toxine ein.Wir nutzen heimische Wildkräuter, um den Körper zu entlasten und bei seiner natürlichen Entgiftung sanft zu unterstützen. Keine drastischen Maßnahmen.


Eine Reinigung unseres Körpers nehmen wir jetzt im Frühjahr vor. Wenn er nicht mehr so geschwächt ist wie im tiefen Winter und wir die Grundlage für den Rest des Jahres legen wollen. Im Ayurveda ist der späte Winter bis in den Frühling die Zeit des Kapha Doshas (kalt, feucht, schwerfällig) und feuchter Erkältungen. Uns tun leichte, warme, stark gewürzte Mahlzeiten gut. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist der Frühling die Jahreszeit des Loslassens. Somit also der Leber.


Leber und Lymphe.

Die Leber filtert Toxine aus unserem Blut. Gemeinsam mit der Gallenblase, den Nieren, den Lymphen, dem Darm und der Haut sorgt sie dafür, dass unerwünscht Stoffe aus unserem Körper transportiert werden. Ist die Leber überlastet, merken wir das lange nicht. Eventuell kommt es dann zu Hautproblemen, schlechter Laune, Wassereinlagerungen und einer unausgeglichenen Verdauung. Das China Institute hat 2018 herausgefunden, dass eine Verbesserung der Leberfunktion auch die Stimmung der Probanden aufhellte.


Die Lymphe und die Haut assistieren der Leber. Die Lymphflüssigkeit liegt zwischen der Gewebeflüssigkeit und dem Blutplasma. Die Lymphgefäße sind ein eigenes Transportsystem, das Überschüssiges an die Leber und die Nieren transportiert. Und unsere Haut lässt nicht mehr benötigte Stoffe über die Poren nach Außen. Das können wir mit einem Basenbad unterstützen.Wenn dieses System nicht mehr hinterherkommt, übersäuert der Körper. Die überschüssige Säure wird in unserem Bindegewebe eingelagert.


Kräuter.

Der Schlüssel zur Gesundheit unseres Körpers liegt wie immer in einer steten Achtsamkeit. Keine Fastenkur, kein Kraut können ausgleichen, was im Rest des Jahres fehlt: eine ausgeglichene Ernährung, Bewegung, Ruhe, genug Wasser.

In dieser Zeit des Fastens möchten wir unseren Körper besonders gut unterstützen. Sozusagen ein kleines Reset der Reinigungsorgane. Dabei helfen uns heimische Wildkräuter. Sie wirken "blutreinigend", adstringierend oder tonisierend.


  • Entgiftung - im Volksmund oft auch traditionell Blutreinigung genannt. Einige Kräuter unterstützen Niere und Leber ideal bei der Ausleitung. Sie regen unsere Organe an und sorgen dafür, dass das oben beschriebene System wieder einwandfrei funktioniert. Mariendistel und Löwenzahn unterstützen die Leber und die Verdauung. Birke, Brennnessel und Vogelmiere wirken harntreibend und helfen so der Niere bei der täglichen Ausscheidungstätigkeit. Wichtig ist hier: Unsere Organe leisten täglich eine wundervolle Arbeit. Die Kräuter dienen nur zur zeitweisen Unterstützung unseres inneren Reinigungsapparates.


  • Verdauung & Stärkung. Bittere Kräuter regen die Verdauungssäfte an. Unsere Nahrung wird besser verdaut, Nährstoffe können effektiver aufgenommen werden. Bei Bitterstoffen zieht sich unsere Magenschleimhaut zusammen und der Magen bewegt sich sanft. Wir haben weniger Magenkrämpfe, Blähungen oder Verstopfung. Gut ist es, sie vor einer Mahlzeit einzunehmen, damit die Verdauung bereits angeworfen wird. Besonders bitter sind Andorn, Wermut, Tausendgüldenkraut und Löwenzahn. Außerdem wirken sie tonisierend und beleben uns im Frühling (Tschüss Frühjahrsmüdigkeit!)




Einige hilfreiche Wildkräuter vor unserer Haustür.


Brennnessel: Kraut wirkt entwässernd und hilft so der Entgiftung der Niere

Löwenzahn: Wurzel voller Bitterstoffe für Leber und Galle; Kraut wirkt entwässernd

Goldrute: Kraut wirkt entwässernd

Große Klette: Blätter, Frucht, Wurzel, Samen, regen die Leber an; nährt und stärkt natürliches Filtersystem

Mariendistel: Wichtigste Heilpflanze, um die Leber zu unterstützen

Andorn: blühendes Kraut, regt die Galle und gesamte Verdauung an

Wermut: Kraut, Blätter, regt die Galle und gesamte Verdauung an




Teemischung.

Ein einfacher Tee, um die Entgiftungsprozesse in unserem Körper anzuregen, ist die Kombination aus einigen oben genannten Kräutern. Ausscheidungsfördernde Pflanzen können zu gleichen Teilen gemischt werden oder einzeln getrunken werden.

  • Löwenzahnwurzel

  • Löwenzahnblätter

  • Brennnesselblätter

  • Birkenblätter

  • Klette


Je 1 TL der Kräuter zusammenmischen. Pro Tasse 1 TL der Kräutermischung abmessen und für mindestens 20 Minuten ziehen lassen. Besonders intensiv wirkt ein Auszug, der für 4 Stunden zieht. Weitere Kräuter für Teemischungen im Frühjahr: Goldruten, Schafgarbe und Pfefferminze.



Brennnessel Essig.

Wir sind große Freunde von Apfelessig sind. Denn er bringt unsere Darmflora in Balance. In Kombination mit unserem heimischen Superfood, der Brennnessel, entsteht etwas Feines zum Fastengenuss (und auch danach).


  • Sauberes Schraubglas zu einem Viertel mit getrockneter Brennnessel befüllen.

  • Mit naturtrübem, unpasteurisiertem Apfelessig auffüllen

  • Bedeckt für 3-6 Wochen lagern. Ab und zu aufschütteln.

  • Kräuter abseihen.

  • In Salatdressing, als Topping auf Suppen geben.


Geist.

Beim Fasten spielt auch der Kopf eine große Rolle. Wir setzen uns ein bewusstes Thema, das uns begleiten soll. Wir reflektieren in dieser Zeit unseren aktuellen Lebensstil und hinterfragen ihn neugierig. Wir geben auch dem Kopf die Zeit aufzuräumen. Das gelingt uns in dieser Phase, in der wir aus unseren alltäglichen heraustreten und Dinge anders machen.


Fasten darf auch Freude bereiten. Daher verwöhnen wir uns gern mit einem Basenbad, indem wir unsere Haut bürsten oder massieren (um die Lymphe anzuregen). Auch Bewegung kann uns Spaß bringen und der Schweiß ist ebenfalls eine gute Entgiftungsmaßnahme: Tanzen, Yoga, Radfahren, Skifahren, lange Spaziergänge. Wir suchen nach neuer Musik, räumen unsere Wohnung auf, schaffen Platz für Neues.


Und am Wichtigsten: Ruhe. Damit meinen wir weniger Input von außen, aber vor allem Schlaf. Der Körper braucht ausreichend Zeit, um aufzuräumen. Wissenschaftlern wird immer bewusster wie wichtig mindestens 8 Stunden Ruhezeit pro Nacht sind. Und beim Fasten noch einmal mehr. Je nach Körperbedarf.


Journal.

Um diese besonderen Tage bewusst zu durchleben, schreiben wir gern. So haben wir auch hinterher noch im Blick, was uns gut getan hat. Wonach unserem Körper war. Vielleicht nehmen wir eine Routine aus dieser Zeit auch mit in unseren Alltag?


Für den Übergang in den Frühling können wir uns diese Fragen beantworten:


  • Wie möchte ich mich in diesem Frühling fühlen?

  • Welche Gedanken über mich selbst lege ich ab, lasse sie im Winter zurück?

  • Was brauche ich, um ganz ich zu sein?

  • Welche Wünsche habe ich für den neuen Frühling

  • Wofür möchte ich mir mehr Zeit nehmen?


Impulse.

Wenn ihr noch mehr Inspiration haben möchtet, folgt gern unserer Aktion auf Instagram. Dort findet ihr in den kommenden 14 Tagen Impulse wie ihr euren Körper unterstützen könnt. Mit heimischen Kräutern, alten Hausmitteln, leckeren Rezepten (von Karma Food) und einer erdenden Meditation (mit der liebsten Pia). Auch hier auf dem Blog ist einiges los. Wir durften die beiden Expertinnen Sabrina und Jeannette zum Thema Fasten und Ernährung befragen. Wie wir uns mit Basenüberschüssiger Ernährung etwas Gutes tun, erfährst du hier.


Wir sehen also, dass die Fastenzeit eine Zeit der Erholung für Körper und Geist sein sollte. Alles auf Anfang. Sodass wir frisch gestärkt in die wilde Frühlings- und Sommerzeit starten können. Wilde heimische Kräuter unterstützen uns dabei und sorgen bereits für Vorfreude auf die kommende Sammelzeit!


Bilder: Clara-Marie Felder, Sina Opalka